Was Medizinalrat Dr. Scheidemantel im Jahre 1896 bewogen hat, einen Kreis gleichgesinnter Menschen in der humanitären Absicht, den Nächsten zu helfen, um sich zu scharen, lässt sich heute nicht mehr genau klären. Wir wissen nur, dass sich diese lockere Vereinigung hilfsbereiter Menschen sechs Jahre später unter seiner Führung zu einer Rot-Kreuz-Gruppe vereinigte, die - unter den Fittichen des Turnvereins - der Ursprung der Sanitätskolonne Feuchtwangen wurde.

Angeregt wurde man dazu durch eine Brandkatastrophe auf einem überortlichen Kreislandwirtschaftsfest in Dinkelsbühl, das in jenem Jahr 1902 in Feuchtwangen abgehalten werden sollte, und durch folgendes Schreiben vom 3. März 1902. Bezirksamtmann Fischer ließ bei der Stadtverwaltung anfragen, ob nicht Arzt und Turnverein sich zur Gründung einer Sanitätskolonne entschließen könnten. Am 2. April 1902 erhielt dieser dann als Antwort, dass Gespräche mit Arzt und Turnverein durchgeführt worden waren und dass Dr. Güthlein bis zur Gründung im Sommer noch eine Grundausbildung für interessierte junge Leute durchführen wolle.

Am 24. Juni des gleichen Jahres war es dann soweit: Die Sanitätskolonne wurde als Untergruppe des Turnvereins aus der Taufe gehoben und fand wenige Wochen später Aufnahme im Verband des Bayerischen Landeshilfsvereins des Roten Kreuzes. Die Gründungsmitglieder waren Dr. Scheidemantel als Kolonnenarzt, Maximilian Zieglwalner als Kolonnenführer und die Herren Rupprecht, F. Gehlert, E. Haffel, F. Heßler, K. Kober, W. Mayer, K. Methsieder, H. Simon und F. Wolf.

Als Unterkunft für die junge, tätige Gruppe stellte die Stadt Feuchtwangen das alte Schießhaus zur Verfügung, um die Ausbildungsziele zu verwirklichen.

Am 1. Oktober 1905 übernahm Dr. Güthlein bis zu seinem Tode im März 1935 die Kolonnenführung und brachte in unermüdlicher Arbeit die Sanitätskolonne Feuchtwangen zu einem guten Ausbildungsstand. Schon zwei Jahre später hielt er mit der Sanitätskolonne Dinkelsbühl eine gemeinsame Übung vor heimischem Publikum ab und der Bayerische Grenzbote lobte explizit die kunstvoll aus Weiden geflochtenen, mit Gurten bespannten und äußerst fest gearbeiteten Lattentragen, hergestellt in bester Handarbeit.

Der Erste Weltkrieg zeriss die Kolonne in kriegsdienstleistende Sanitäter und Helfer, die das Hilfslazarett in der örtlichen Turnhalle betreuten. 13 Mitglieder forderte dieser Krieg und der Wiederaufbau der Kolonne zu friedlicher Tätigkeit war dem unentwegten Schaffen von Dr. Güthlein zu verdanken. Er fasste mit Ehrgeiz und Begeisterungsfähigkeit Frauen und Männer am 9. März 1921 zum Zweigverein Feuchtwangen im Landeshilfsverein des Roten Kreuzes neu zusammen. Ein Jahr darauf arrangierte er den Führer- und Ärztetag mit fast 1000 Teilnehmern in Feuchtwangen und seine Leute bewiesen ihm, dass sie fähig waren, mit ihm die Sache des Roten Kreuzes zu fördern und auszubauen.

In den weiteren 1920er und 1930er Jahren führte eine ruhige und stetige Entwicklung zur Festigung nach innen und außen. Die Stadt Feuchtwangen honorierte diese ehrenamtlichen Dienstleistungen mit der Bereitstellung eines Rot-Kreuz-Hauses in der Bahnhofstraße, das bis 2008 noch der Treffpunkt zu den vielfältigen Aufgaben des Roten Kreuzes war. In diesen Aufbau des Roten Kreuzes hinein erfolgte die Gründung der Sanitätsbereitschaft im Jahre 1932. Die Arbeit am Nächsten wurde auf eine breite Basis gestellt, weil die Anforderungen es notwendig machten. Nach dem Tode Dr. H. Güthleins erfolgte ein kurzfristiger Anschluss an die Sanitätskolonne Dinkelsbühl, doch schon im Jahr 1938 wurde in Feuchtwangen wieder eine selbstständige Kreisstelle errichtet. Der Mitgliederstand belief sich zu der Zeit auf etwa 120 Frauen und Männer.

Und wieder war Krieg, und wieder riss der Tod Lücken in die Rot-Kreuz-Gemeinschaft. In vielen Einsätzen an einigen Hilfsplätzen versorgten und pflegten Feuchtwanger Mitglieder des Roten Kreuzes die Verwundeten, Kranken und Hilfsbedürftigen. Zuletzt war auch die Volksschule in der Stadt mit einem Hilfslazarett versehen worden. Der verlorene Zweite Weltkrieg brachte zwar Elend und Trauer, doch die Kolonne ging nicht unter. Am 19. September 1945, am Tag der Wiederzulassung des Roten Kreuzes versammelten sich nurmehr 23 Frauen und Männer erneut zu einer Helfergemeinschaft. Der Grundstein für einen neuen Anfang der Rot-Kreuz-Arbeit im Frieden war gelegt.

1956 begannen Planungen, das Unterkunftsgebäude in der Bahnhofstraße den damaligen Bedürfnissen anzupassen. Sieben Jahre später konnte das bis 2008 als Rettungswache und Bereitschaftsunterkunft genutzte Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden.

Seit 1973 ist die damalige Sanitätskolonne dem Kreisverband Ansbach unterstellt. Sie zählte rund 40 Sanitäterinnen und Sanitäter, die ihren Dienst im Krankentransport- (KTW) und Rettungswagen (RTW), auf Spiel- und Sportveranstaltungen, sowie bei sozialen Hilfstätigkeiten und vielen weiteren Aufgaben ehrenamtlich durchführten. Dafür standen zwei modern ausgerüstete Krankentransportwagen und ein Rettungswagen, zwei Geräteanhänger, zwei Zelte und eine umfangreiche Katastrophenschutzausrüstung zur Verfügung. Das Equipment ist im Laufe der Jahre immer den aktuellen Anforderungen angepasst und erneuert worden. 1977 beging die damalige Sanitätskolonne ihr 75-jähriges Gründungsfest. Dieses wurde vom 08. Juli bis 10. Juli auf dem Sportplatz des Schulzentrums im Rahmen eines groß angelegten Ausbildungslagers gefeiert.

Die Aufgaben der Bereitschaft weiteten sich im Laufe der Jahre immer mehr aus. 1987 wurde für den Standort Feuchtwangen das lang ersehnte Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF) in Dienst gestellt. Doch ohne den unermüdlichen Einsatz der BRK Bereitschaft und des Bereitschaftsarztes Dr. Hans-Georg Müller wäre dies nicht möglich gewesen. Seit dieser Zeit ist Feuchtwangen ein anerkannter Notarztstandort. In Feuchtwangen niedergelassene Ärzte (Dr. Müller, Dr. Kelm, Dr. Schweiger, Dr. Sabinski, bis 1999 Dr. Boy und von 2002 bis 2012 Dr. Reile) und Klinikärzte (vor allem Dr. Böcker und Dr. Schlecht) sorgen im Notfall und rund um die Uhr für die Bevölkerung. Das dabei eingesetzte Renzdevous Verfahren mit RTW und NEF hat sich seit dieser Zeit sehr bewährt.

Aufgrund gestiegener Einsatzzahlen wurde auch das hauptamtliche Rettungsdienstpersonal damals von drei auf neun aufgestockt. Sie kamen ausschließlich aus der BRK Bereitschaft Feuchtwangen und machten so ihr „Hobby“ zum Beruf.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, wie Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr, Polizei, Bundesbahn und Bundeswehr wurde mit groß angelegten Übungen und gemeinsamen Ausbildungen auf ein hohes Niveau gehoben.

in den 90er Jahren gründeten engagierte Feuchtwanger Bürger den Förderverein Rettungsdienst e.V. mit der Aufgabe, den Rettungsdienst in Feuchtwangen zu halten und zu fördern. Was ihnen auch sehr gut geglückt ist: Mit ihrer Hilfe wurden wichtige Einsatzgeräte und Ausbildungsmaterialien in Feuchtwangen beschafft.

Im September 2007 wurde mit dem Bau des neuen Rot-Kreuz-Hauses begonnen, das den aktuellen Anforderungen unseres Roten Kreuzes gerecht wird. Den Neubau verdanken wir der großzügigen Spende des Grundstücks der Stadt Feuchtwangen und Zuschüssen der Stadt Feuchtwangen, des Landkreises Ansbach und des Freistaates Bayern, aber auch der fleißigen Arbeit beim Aufbau unseres Hauses durch unsere Mitglieder. Unser Heim wurde letztendlich im November 2008 eingeweiht, und es dient uns bis heute noch als Rettungswache und Bereitschaftsunterkunft.

Wenn man nun aber meint, es bestehe keine Verbindung zwischen dem Roten Kreuz von 1902 und dem des Jahres 2012, dann ist das weit gefehlt, denn geblieben ist der Geist, der jene Männer damals beseelte und der zur Gründung der Sanitätskolonne führte. Dieser Geist lebt auch heute noch in unseren Frauen und Männern und lässt uns unsere selbstgewählte Pflicht tun. Es ist letztendlich der selbe Geist, der Henry Dunant, jenen unbekannten Kaufmann aus der Schweiz veranlasste, sein Buch „Erinnerungen an Soferino“ zu schreiben und damit eine Bewegung in Gang zu setzen, die bis heute den ganzen Erdball umfasst. An der Wiege des Roten Kreuzes steht die Nächstenliebe. Mögen unsere Vergangenheit und diese Nächstenliebe der Bereitschaft Ansporn für die Zukunft sein.

Aufstellung der Leitung des BRK Feuchtwangen seit Bestehen

Kolonnenführer & Bereitschaftsleiter Kolonnenführer & Bereitschaftsleiter Kolonnen- & Bereitschaftsärzte
Maximilian Zieglwalner Franz Volland Dr. Scheidemantel
Dr. Güthlein Walter Schuldes Dr. Güthlein
Willi Mayer Hansjörg Wattenbach Dr. Schauwecker
Friedrich Wolf Andreas Schober Dr. Städtler
Quirin Trommer Ulrich Demmer Dr. Appelbaum
Fritz Hauck Thomas Giese Dr. Schröder
Hans Wachter Stefan Türolf Dr. Sylvester
Heinz Korb Holger Giese Dr. Müller
Gerhard Jakubith Carsten Halter Dr. Schweiger
Fritz Bayer Andreas Stoll Dr. Reile
Helmut Zeitler Carsten Schmidkunz Dr. Schlecht
Erich Prosse   Dr. Sabinski

Kontakt:

BRK Bereitschaft

Feuchtwangen

 

Walkmühlweg 9

91555 Feuchtwangen

 

Tel: (09852) 2313

Fax: (09852) 61 69 719

eMail: info@brkfeuchtwangen.de

 

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